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Coca Cola – Ein Mordsgetränk

5. Dezember 1996, 09:00 Uhr in Carepa, Kolumbien:

Zwei bewaffnete Paramilitärs treten an das Tor des Betriebes “Bebidas y Alimentos” heran, einem Abfüllbetrieb der Coca Cola Company. Sie fragen einen dort beschäftigten Mitarbeiter, ob er Isidro Segundo Gil sei. Dieser bejaht dies und fragt, was die Männer wollen. Sie behaupten, sie müßten mit jemandem im Betrieb sprechen. Als Isidro Gil zum Tor geht, um die Männer einzulassen, eröffnen diese ohne Vorwarnung das Feuer und erschießen den Mitarbeiter.
Eine Hinrichtung am Arbeitsplatz, aber weshalb? Was hat sich Gil zu Schulden kommen lassen? Nur eines: Er war Gewerkschafter. Am Abend des Mordes brechen die Paramilitärs in das Büro der Gewerkschaft SINALTRAINAL ein und brennen es nieder, nachdem sie aufschlußreiche Unterlagen entwendet haben. Mit diesen Informationen teilen
Bereits am nächsten Tag, dem 7. Dezember 1996 berufen Paramilitärs gleich um 8 Uhr morgens eine Betriebsversammlung ein und teilen ihnen mit, daß Bebidas y Alimentos in ihrem Betrieb keine Gewerkschaft haben wolle. Die Arbeiterinnen und Arbeiter hätten die Wahl, aus der Gewerkschaft auszutreten oder Carepa zu verlassen, andernfalls würden sie umgebracht. Danach nutzen sie die Informationen aus den entwendeten Unterlagen, um die Gewerkschaftsmitglieder herauszusuchen und in das Büro des Managers zu führen. Dort werden ihnen von der Geschäftsleitung vorbereitete Austrittserklärungen vorgelegt, die sie unterschreiben sollen. Die Aktion führt zu Massenaustritten aus der Gewerkschaft, die damit faktisch zerstört wird. Die Funktionäre fliehen aus Carepa und fürchten noch heute um ihr Leben und das ihrer Familien.
Und die Folgen? Isidro Gil war Verhandlungsführer für Tarifverhandlungen mit Bebidas y Alimentos. Diese sind auch in Kolumbien ausdrücklich erlaubt. Nach der Ermordung Gils wurden die Verhandlungen sofort abgebrochen, 27 Arbeiterinnen und Arbeiter aus 12 verschiedenen Abteilungen verließen den Betrieb und flohen aus der Region, während die Paramilitärs vor den Toren des Betriebs kampierten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter, die zwischen 380 und 400 US-$ monatlich verdient hatten, wurden durch neue Angestellte ersetzt, die zum Mindestlohn von 130 US- $ arbeiten mußten.
Klingt wie ein einzelner Extremfall? Weit gefehlt!! Schätzungen gehen davon aus, daß allein in den letzten zehn Jahren in Kolumbien ca. 1.500 Gewerkschafter ermordet wurden, nur weil sie versuchten, gesetzlich verbriefte Rechte durchzusetzen. Bespitzelungen und Morddrohungen gegen Gewerkschaftsmitglieder und ihre Angehörigen sind an der Tagesordnung; vor allem große Konzerne wie Coca Cola aber z. B. auch Nestlé nutzen ihre große internationale Macht, um Gewerkschaften aus ihren Abfüllbetrieben fernzuhalten.

Bereits im April 1994 wurden Jose Eleazar Manco David und Luis Enrique Gomez Granado, die beide bei Bebidas y Alimentos arbeiten, ermordet, weil sie Mitglieder von SINALTRAINAL waren. Auch damals folgten Drohungen weiteren Gewerkschaftern gegenüber, die daraufhin die Stadt verließen, weil sie um Leib und Leben fürchten mußten.
Nachdem im Juni 1995 ein neuer Vorstand der Gewerkschaft gewählt wurde, stellte Bebidas y Alimentos Paramilitärs ein, um diese zu bespitzeln. Ein im September entlassenes Mitglied des neuen Vorstandes, Dorlahome Tuborquia, mußte nach Gerichtsbeschluß wieder eingestellt werden, woraufhin das Management ganz offen drohte, die Gewerkschaft zu zerstören und dabei das Paramilitär einzusetzen. Tuborquia wurde mit Mord bedroht und floh daraufhin aus Carepa. Die Paramilitärs beschlagnahmten sein Haus und nutzten es als Basis für ihre Operationen.
1996 begannen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft SINALTRAINAL und Bebidas y Alimentos, deren Gegenstand unter anderem mehr Sicherheit für die Gewerkschafter und ein Unterlassen der Drohungen seitens des Managements gegen die Funktionäre von SINALTRAINAL waren. Der Besitzer des Unternehmens, Richard Kirby Keilland, wohnte den Verhandlungen bei und lehnte diese Forderungen entschieden ab.
Nachdem SINALTRAINAL im September ihren Forderungen nach mehr Sicherheit für ihre Mitglieder mit einem schriftlichen Vertrag Nachdruck verlieh und das Management dieses Schreiben an sich nahm, um es angeblich mit dem Firmeninhaber zu besprechen, folgte o. g. Mord an Isidro Gil mit der anschließenden Zerschlagung der Gewerkschaft. Um sicherzustellen, daß sich die Gewerkschaft nicht wieder erholt, ermordeten sie kurz darauf einen weiteren Gewerkschafter, José Herrera, und die Ehefrau von Isidro Gil, was seine zwei Kinder zu Vollwaisen machte.

Die Vorkommnisse sind beispielhaft für mehrere weitere Abfüllbetriebe für Coca Cola in Kolumbien und dauern bis heute an. Aktuell steht das Vorstandsmitglied SINALTRAINALS, Juan Carlos Galvis, ganz oben auf der Abschußliste, eine Gruppe von Auftragskillern treibt in der kolumbianischen Stadt Barrancabermeja ihr Unwesen.
Auf die Vorwürfe angesprochen reagieren die Sprecher des Konzerns beinahe einhellig mit Leugnung. Ein Sprecher des Hauptsitzes in Atlanta erklärte, der Konzern lehne jegliche Form von Menschenrechtsverletzungen ab und sei für die Vorkommnisse in den kolumbianischen Betrieben auch nicht verantwortlich, da die Betriebe nicht im Besitz des Konzerns seien.
Ein anderer Sprecher aus Atlanta erklärte, es gebe einen Verhaltenskodex, an den sich alle Betriebe, die mit Coca Cola zusammenarbeiteten, halten müßten. Außerdem gebe es strenge Sicherheitsvorschriften zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf einer Aktionärsversammlung räumte man seitens der Konzernleitung ein, Worte auf Papier reichen unter Umständen nicht aus, wenn sie kaum umgesetzt würden. Man arbeite aber daran. Klar ist aber, daß der Verhaltenskodex des Konzerns sämtliche Bereiche der Produktion bestimmt, und daß bei Verstößen gegen die Abfüllbestimmungen unmittelbar mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen gedroht wird. Wieso ist das in diesem Fall nicht möglich? Sind tägliche Drohungen und tatsächlich durchgeführte Morde nicht Grund genug für den Konzern, seine Abfüllbetriebe nachdrücklich zur Einhaltung der Menschenrechte aufzufordern und andernfalls Konsequenzen zu ziehen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Nicht solange die Umstände dem Konzern nützen. Und hier kommen wir ins Spiel: Nach Bonn, Wuppertal und Berlin beschloß aktuell auch das Studierendenparlament der Uni Köln einen Boykott des Getränkeriesen. Zuvor hatte man eine “Kola- Konferenz” organisiert, auf der auch Vertreter des Getränkeriesen zu Wort kamen. Überzeugen konnten sie die Parlamentarierinnen und Parlamentarier jedoch nicht, denn der Antrag auf Boykott der braunen Brause wurde anschließend mit großer Mehrheit angenommen.
Der Beschluß umfaßt die Forderung, alle Produkte der Coca Cola Company (s. u.) aus sämtlichen Getränkeautomaten und –ausgaben in den Mensen den Gebäuden der Uni und des Studentenwerkes zu entfernen.
Mit dieser Entscheidung schlossen sich die Kölner Studierenden einer internationalen Kampagne an, die vor allem in den USA bereits Früchte trägt: Etwa drei Dutzend Hochschulen weltweit haben sich dem Boykott angeschlossen, was auch an renommierten Universitäten in den USA, u. a. die University of Michigan und die New York University, zu Kündigungen millionenschwerer Verträge mit dem Getränkehändler führte.
S. H.

Zur Orientierung hier eine (unvollständige) Übersicht über die Produkte der Coca Cola – Familie:

MAKE THE PROTEST REAL!